Girls_day

Bild: · / GD2019/girls_day_logo.jpg

Manchmal spiel ich mit den Teilen unsrer alten Küchenuhr,
repariere einen Kurzen an der Bügeleisenschnur.
Und dann sagen mir die anderen: „ Mädchen bist du noch ganz dicht? –
Überlass das mal den Jungen, damit spielt ein Mädchen nicht!“
(… )
Und dann zeig ich allen Leuten, was ein Mädchen alles kann,
was mir Spaß macht will ich lernen, denn nur darauf kommt es an.

(Klaus Hoffmann, Damit spielt ein Mädchen nicht, LP „ Ich in neugierig“,Pläne-Verlag, 1978)

Auf die jungen Frauen, die an der Steinbeis-Schule zum diesjährigen Girls‘ Day zu Gast waren, warteten am 28.März einige Herausforderungen. Diesen stellten sie sich souverän. Es hatte sich im Vorfeld im Landkreis Reutlingen herumgesprochen, dass es beim Girls‘ Day an der Steinbeis-Schule Spannendes zu erleben und zu tun gibt. Mit vierundzwanzig jungen Frauen waren die beiden Workshops komplett ausgebucht. Für den Girls‘ Day sind sie von ihren Schulen im Landkreis problemlos freigestellt worden.

Nach der Begrüßung durch TG- Leiterin Frau Naumann gab es zunächst eine Fragerunde mit Mentorinnen aus dem Technischen Gymnasium der  FV und dem 1-jährigen Berufskolleg.Es zeigte sich, dass viele Frauen über ihre Väter, die in technischen Berufen arbeiten, schon erste Zugänge zu Metall- und Elektroberufen haben. Die Mentorinnen berichteten über ihre sehr positiven Erfahrungen mit der schulischen Ausbildung.

   

Auf welch hohem technischen Niveau diese Ausbildung stattfindet, das zeigte den Mädchen dann der technische Lehrer Tobias Taigel. Bei einem Rundgang durch die Werkstätten und der praktischen Vorführung einer CAD- Fräsmaschine wurde den jungen Frauen deutlich, wie viel High-Tech die Steinbeis-Schule hat und was man Tolles damit herstellen kann. Taigel zeigte dies am Beispiel einer aus einem Metallblock gefrästen menschlichen Hand.

 

In einem Werkstattraum ging es dann sehr praktisch zur Sache: Bis zum Ende des Vormittagsprogramms baute die erste Workshopgruppe einen schicken Handyhalter aus Metall,

während die zweite Gruppe eine LED-Schaltung verlötete.

Das Endprodukt des Tages, ein mit LEDs beleuchteter Handyhalter, der im Rhythmus der Musik aufleuchtet, bewies, was Frau Naumann am Ende der Begrüßungsrunde schon gesagt hatte: „Frauen können Technik“.

Dies wurde durch die positiven Rückmeldungen der Mädchen bei der Schlussrunde durchweg bestätigt. Vor hundert Jahren, als man den Frauen in Deutschland endlich das Wahlrecht zugestanden hatte, gab es Leute im Bürgertum, welche die Erziehung junger Frauen oft mit Klavierspielen, Handarbeiten und etwas französischer Konversation für abgeschlossen hielten. Und vielen Frauen, speziell aus ärmeren Kreisen der Bevölkerung, gestand man überhaupt keine Bildung zu. Vermutlich würden manche Frauen, die damals gelebt haben, staunen, was es heute an Möglichkeiten für junge Frauen gibt. Dass es überhaupt die Notwendigkeit gibt, einen Girls’ Day zu veranstalten zeigt aber auch, dass wir immer noch von alten Rollenvorstellungen geprägt werden und von echter Gleichberechtigung, wie das Grundgesetz sie fordert, noch weit entfernt sind.

Bilder: Gallerie alle bis auf LOGO aus GD2019